Textilmuseum Aachen

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Färben und Spinnen - Begegnung einer Klasse mit dem Textilmuseum

Zwei Referendarinnen von der Luise-Hensel-Realschule Aachen besuchten im April 2007 mit ihrer Klasse im Rahmen des Faches Textiles Gestalten den neuen außerschulischen Lernort Textilmuseum Aachen. Dazu hatte der Verein neben den ehrenamtlichen Pensionären Günter Rüttgers und Friedrich Dunkmann auch Sybille A. Beyer und Andreas Sturm von Rete Amicorum (www.rete-amicorum.de) eingeladen, die in historischen Kostümen Handspinnen und Färben vorführen sollten.

(alle Fotos: Herbert Schauer)

Am Anfang ist das Schaf, dessen Wolle mit Dreck und Speck (sprich Fett) vom Fell geschoren wird. Daher wird den Schülern zunächst ein zusammenhängendes Vlies gezeigt, wie es vom Schaf geschoren wurde. Es enthält noch so manche Verunreinigung. Da auf einem Schaf verschiedene Wollqualitäten wachsen, wird die Rohwolle zunächst sortiert. Das erleichtert später den Spinnvorgang.  Danach wird die Wolle gewaschen, was wegen der Filzfähigheit sehr vorsichtig geschehen muß. Diese ‘Waschwolle’ kauft dann der Streichgarnspinner.

Hier beginnt dann die eigentliche Arbeit in der Komericher Mühle. Herr Rüttgers erklärt den Schülern sodann den ersten Schritt zur Verarbeitung - die Wolferei, bei dem die Wolle in Flocken gerissen wird.  Dabei können die unterschiedlich gefärbten Flocken auch noch gemischt werden, bevor sie in die Krempelmaschine kommen können.

 

Zur Vorbereitung des Spinnens müssen die Fasern  ausgerichtet werden. In der einfachsten Form kann dies durch zwei ‘Drahtbürsten’ (genannt: Handkratzen) geschehen. Auf die erste wird eine Portion Wolle aufgebracht und mit der zweiten wieder von der ersten heruntergezogen. Dadurch werden die Wollflocken gelockert und die Fasern in eine Richtung gekämmt. Diese Vorarbeit nannte man ‘Kardieren’ oder auch ‘Krempeln’.

  

1760 erfand hierzu James Hargraves  eine Maschine, die diese mühevolle Handarbeit übernehmen konnte. Die sogenannte Krempelmaschine zieht die Wollflocken über Walzen, die mit Drahthäkchen versehen sind (am Anfang wurden statt der Drahthäkchen auch Disteln verwand) und schafft zum Ende eine Art Vlies. Eine solche Maschine ist als Musterkrempel im Textilmuseum Aachen lauffähig. Unter den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen setzt Herr Rüttgers sie in Gang.  Danach geht es in die große Halle, in der eine große (automatische) Krempelmaschine aufgebaut ist, an der er den Schülern erklärt, wo die Wolle zugeführt , in festgelegten Portionen abgewogen und in die Walzen eingeführt wird. Damit das entstehende Vlies möglich gleichmäßig wird, kann man Umlegemechanismen erkennen.  Zum Schluß wird das Vlies dann in Streifen geschnitten. Diese Streifen (Florbändchen) werden gerollt zu einem Vorgarnfaden.

 

  

Nach den theoretischen Erläuterungen weiß Herr Rüttgers die Schüler geschickt einzubinden in manuelle Tätigkeiten. Zerreißproben werden  an diesem Vorgarn vorgenommen. Sie zerfallen sofort! Danach werden die Streifen verdrillt und schon muß man schon stärker ziehen, um sie zum Zerreißen zu bringen, weil die Fasern durch die Drehung zusammengedrückt werden.

 

Damit ist die Hinführung zur Spinnmaschine geschafft. Deren Mechanismus ist ausgesprochen komplex und wird schülergerecht aufbereitet.

  

Damit sind die Schüler vorbreitet für die Weiterverarbeitung des Fadens durch Herrn Dunkmann, einem pensionierten Webermeister, am mechanischen Webstuhl. Er erklärt ihnen die Bedeutung von  Kette und Schuß und die Steuerung über Lochkarten und Kunststoffstreifen, damit das richtige Schiffchen durch die richtig angehobenen Längsfäden geschossen werden kann.  (Ein Teil dieser Fäden ist unten, ein Teil oben, beim nächsten Schuß vielleicht umgekehrt.)  Erst danach kann  er den Webstuhl anwerfen, nicht ohne vorher auf die Gefahren aufmerksam gemacht zu haben, die durch das schnelle Hin und Her der Schiffchen besteht. Danach kann niemand mehr ein Wort verstehen. Die Schüler sollen natürlich auch erfahren, dass die Weber einen ganzen Tag von diesem Lärm umgeben waren. 

 

Natürlich gäbe es noch viel mehr zu sehen und zu erklären; so bleibt Herrn Dunkmann nur noch die Vorführung des Mustertuch,  in dem jeweils auf den beiden Achsen die Farben von Kette und Schuß erkennen kann und in dem entsprechenden Feld die daraus resultierende Mischfarbe, bevor die Gruppe in den Nebenraum zu Frau Beyer und Herrn Sturm wechselt, um die Anfänge des Spinnens und Färbens zu erfahren.

 

Nach einer Einführung der manuellen Tuchherstellung im Mittelalter - Frau Beyer war selbst in ein solches Gewand gehüllt - führte sie die einfachste Handspindel vor. Natürlich durften die Schüler dies auch selbst ausprobieren und mussten feststellen, dass dies gar nicht so einfach ist.

 

Gegenüber diesem Handgerät ist das wohl bekannte ‘alte ‘ Spinnrad schon eine deutliche Verbesserung.

 

Zum Abschluss des Vormittags erfahren die Schüler  dann noch Näheres zum Färben von Wolle: zahlreiche Pflanzen und sogar Tiere - nämlich Läuse - geben Farbstoffe an die Wolle ab, die daruf dauerhaft haften können. Ein Beispiel kocht nämlich schon seit geraumer Zeit so vor sich hin. Herr Sturm hat in einem alten Waschkessel einen Zwiebelschalensud gekocht, in dem ein Strang Wolle Farbe genommen hat. 

 

Damit klingt ein ‘alternativer’ Schulvormittag aus. 

siehe hierzu auch den Pressebericht vom 30.04.2007 in Aachener Nachrichten

Herbert Schauer

Eine Reaktion zu “Färben und Spinnen - Begegnung einer Klasse mit dem Textilmuseum”

  1. Marion Schnabel

    sehr interessant!!!! für mich als Strickerin

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